Der DGB-Kreisverband Steinfurt besucht die Gedenkstätte Westerbork

Der DGB-Kreisverband Steinfurt hat die Mahn- und Gedenkstätte Westerbork in den Niederlanden besucht. Insgesamt 13 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter informierten sich vor Ort über die Rolle und Funktion des sogenannten "polizeilichen Judendurchgangslagers". In den Jahren des Zweiten Weltkrieges wurden von den deutschen Besatzungsbehörden vor allem über 107.000 niederländische Juden von dort in die Vernichtungslager Auschwitz und Sobibor abtransportiert.
Am ehemaligen Appellplatz gedachten die Teilnehmer in einer Schweigeminute den vielen Opfern. "Die Gewerkschaften gehörten 1933 mit zu den ersten Opfern der Nationalsozialisten. Es ist deshalb auch in der Gegenwart unser Auftrag, an die Geschehnisse von damals zu erinnern und allen Opfern zu gedenken. Die Zeit des Dritten Reiches ist für uns kein "Vogelschiss", so wie es mancher Politiker heute behauptet. Für uns ist die Botschaft klar: Nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus", erklärt der DGB-Kreisvorsitzende Dr. Lothar Kurz.





Maikundgebung des DGB mit 100 Teilnehmern im Stadtparkrestaurant

"Der Politik auf die Finger schauen"

-rew- RHEINE. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat bei seiner traditionellen Maikundgebung im Stadtparkrestaurant Politikern der Großen Koalition kräftig die Leviten gelesen. "Wir werden unseren Kampf gegen die investitionsfeindliche Politik der 'schwarzen Null' entschieden fortsetzen. Und ich bin persönlich sehr enttäuscht, dass die neue Parteivorsitzende der SPD, Andrea Nahles, in der vergangenen Woche ankündigte, dass sie gemeinsam mit Olaf Scholz diese Politik der Schwarzen Null fortsetzen will", sagte Jürgen Hoffmann, Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (Düsseldorf) am Dienstag.
Klartext auch in Richtung Bundesgesundheitsminister Jens Spahn: "Herr Spahn als Bundesgesundheitsminister sollte endlich damit beginnen, seine Hausaufgaben zu machen. Aber er äußert sich offensichtlich sehr viel lieber zu Hartz-IV-Sätzen und in der Anti-Islam-Debatte. Das ist nicht Ihr Job, Herr Spahn", sagte Hoffmann - und erhielt starken Applaus der etwa 100 Teilnehmer der Kundgebung.


DGB-Ortsvorsitzender Lothar Kurz dankte bei der Begrüßung den engagierten Mitarbeitern der acht Einzelgewerkschaften für ihr nimmermüdes Engagement zum Wohl der Beschäftigten. Es sei wichtig, dass die Gewerkschaften auch heute immer noch ihre Stimme erheben. Weil zum Beispiel viele Menschen trotz eines harten Arbeitsalltags sich und ihre Familie nicht von ihren Lohn ernähren könnten. Aber auch, weil viele Frauen immer noch weniger verdienten als Männer in gleichen Berufen. Gewerkschaftsarbeit sei konstruktives bürgerschaftliches Engagement.


Stellvertretender Bürgermeister Karl-Heinz Brauer sagte, dass der 1. Mai eine mehr als hundertjährige Tradition habe - aber doch so aktuell sei wie eh und je. "Fragen nach ausreichender Beschäftigung, nach ausreichender Bezahlung, nach Fortschritt und Demokratie sind heute noch genauso relevant", sagte Brauer.



Festredner Jürgen Hoffmann forderte von der neuen Großen Koalition den "großen Aufbruch". Vor allem fordern die Gewerkschaften ein Ende der sachgrundlosen Befristungen und Kettenbefristungen: "Wir werden der Politik auf die Finger schauen und deutlich machen, dass es dabei nicht bleiben darf".
Hoffmann forderte für die Arbeitnehmer bessere Möglichkeiten der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, ferner die Ausweitung selbstbestimmter Arbeitszeiten in den Tarifverträgen. Arbeitgeber und und Unternehmen wünschten sich den allzeit verfügbaren Arbeitnehmer. "Wir jedoch wollen, dass Beschäftigte in Deutschland weiterhin geregelte und planbare Arbeitszeiten haben", sagte Hoffmann, und kündigte energischen Widerstand gegen eine Aushöhlung des Arbeitszeitgesetzes an.

  Bericht der Münsterländischen Volkszeitung vom 3. Mai 2018